Die Zofen

7 Apr 2015

Theater Jean Genet (1910-1986), Homosexueller, Krimineller und einer der bedeu- tendsten Dichter Frankreichs, ist mit seinem Drama "Die Zofen" ein Meisterwerk gelungen, das zwischen Illusion und Realität von einem Spiel um Macht und Erniedrigung erzählt. 

 

Am kommenden Samstag feiert das Kammerspiel in einer Inszenierung von Bastian Kraft (Bild) im Pfauen Premiere. Bereits in der Spielzeit 2012/2013 stellte er sich dem Zürcher Publikum erfolgreich mit Hermann Hesses „Der Steppenwolf“ vor. Auf der Bühne werden Lena Schwarz und Olivia Grigolli als die beiden Zofen der gnädigen Frau, gespielt von Susanne-Marie Wrage, zu erleben sein.

 

Die Schwestern Claire und Solange dienen als Zofen bei der gnädigen Frau und planen, sie zu vergiften. Monsieur haben sie mit anonymen Briefen unschuldig ins Gefängnis gebracht. Durch eine Tat, die er nicht begangen hat, ist er für die Zofen zum glorreichen Verbrecher geworden, den sie bedingungslos lieben. Nun proben sie die Ermordung der Gattin: Claire, im Kleid der gnädigen Frau, gibt die Herrin, die grausam und höhnisch die Zofe Claire, gespielt von Solange, erniedrigt. Der Auftritt der wahren gnädigen Frau, die den Schwestern mit falschem Respekt und geheuchelter Dankbarkeit begegnet, treibt das Spiel um Macht und Erniedrigung weiter.

 

Ein Telefonanruf unterbricht den Reigen zwischen Illusion und Wirklichkeit. Überraschend wird Monsieur aus dem Gefängnis entlassen. Die Herrin lässt den vergifteten Lindenblütentee unberührt stehen und die delinquenten Dienstmädchen sehen sich um die „Schönheit ihres Verbrechens“ betrogen.

 

Der brutale und scheinbar unmotivierte Mord der Papin-Schwestern an einer Dame der Bourgeoisie und deren Tochter diente Jean Genet als Vorlage zu seinem Kammerspiel. Genet, der wegen Bettelei, Prostitution und Diebstahl wiederholt zu Gefängnis verurteilt wurde, blieb bis zum Ende seines Lebens ein radikaler Aussenseiter. Erst Jean-Paul Sartre, der Genets Werk tief bewunderte, gelang es, die Begnadigung des Verur- teilten zu erwirken.

 

Bastian Kraft, 1980 in Göppingen geboren, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen und arbeitete danach als Regieassistent am Burgtheater Wien, wo er mit ersten Inszenierungen auf sich aufmerksam machte. Sein künstlerischer Durchbruch gelang ihm mit Kafkas „Amerika“ am Thalia Theater Hamburg. Er arbeitete u.a. am Deutschen Theater Berlin, am Schauspielhaus Wien, am Münchner Volkstheater und am Schauspiel Frankfurt und hat immer wieder Romanadaptionen auf die Bühne gebracht – u.a. Franz Kafkas „Amerika“, Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“, Virginia Woolfs „Orlando“ am Thalia Theater Hamburg oder Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“ am Burgtheater Wien. Am Schauspielhaus Zürich war von ihm 2012 „Der Steppenwolf“ nach dem Roman von Hermann Hesse zu sehen. Mit seiner Inszenierung von Franz Kafkas „Amerika“ am Hamburger Thalia Theater gewann er beim Festival „Radikal jung“ des Münchner Volkstheaters 2010 den Publikumspreis. 

 

Quelle: Schauspielhaus Zürich

Bild: ZVG Schauspielhaus Zürich

 

Please reload