Das Zünglein an der Waage

26 Jun 2015

Szene Der Entscheid für die anerkannte Homo-Ehe in den Staaten war denkbar knapp

 

Der Oberste Gerichtshof der USA setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Fünf von ihnen wurden von republikanischen Präsidenten nominiert, nur vier von ihnen sind Demokraten. Der Entscheid hätte anders ausgehen können.

 

Der Supreme Court in Washington hat heute Geschichte geschrieben und ein weltweites Statement abgegeben - auch wenn bislang nur die USA davon profitieren können. Basierend auf einer Klage von 2013, haben die obersten Richterinnen und Richter das Verbot der Homo-Ehe in den Staaten für nichtig erklärt. Das bedeutet, dass bald überall in den USA Schwule und Lesben heiraten dürfen.

 

Erwähnte Klage wurde von Jim Obergefell aus Ohio vor zwei Jahren eingereicht. Da er in seinem Staat seinen Lebenspartner nicht heiraten dürfte, tat er dies im benachbarten Maryland. Doch die Anerkennung musste sein, also klagte Jim Obergefell in Ohio. Ein Fall, der von Instanz zu Instanz gelangte und schliesslich beim Obersten Gerichtshof in Washington landete. Das Resultat ist bahnbrechend.

 

Gestatten: Anthony Kennedy

 

Der Oberste Gerichtshof ist in der Besetzung seiner neun Mitglieder eigentlich republikanisch. „Nur“ vier von den Richterinnen und Richter wurden von demokratischen Präsidenten ins Amt berufen. Trotzdem lautete der Entscheid 5 zu 4 für die Homo-Ehe.

 

Das Zünglein an der Wage wurde vom Juristen und Richter Anthony Kennedy ausgespielt. Er wurde 1988 von Ronald Reagan nominiert, republikanisch und äusserst konservativ, und ist seither eine feste Grösse im Supreme Court - und auch eine relativ unberechenbare.

 

Seine bisherigen Entscheidungen sind laut Wikipedia gemischt: „Seine Entscheidungen sind oft durch wortreiche Ausführungen und ungewöhnliche philosophische Ansätze gekennzeichnet. Er gilt unter Experten für Verfassungsrecht als schwer vorhersehbar, da er sich nicht an konventionelle Methoden zur Ausarbeitung und Begründung seiner Entscheidungen hält.“

 

Anthony Kennedy stimmte nun für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA. Seine fünfte Stimme kann als historischer Schritt angesehen werden. In einem Statement, das CNN vorliegt, begründet Kennedy seine Haltung: „Keine Gemeinschaft kann tiefer gehen als die Ehe. Sie steht für die höchsten Ideale, für Liebe, Treue, Hingabe, aber auch Opfer“, so der Richter.

 

Bei der Eheschliessung  werden zwei Menschen zu etwas Grossem, so der Richter weiter. Man dürfe nicht vor einer der ältesten Zivilisationen ausgeschlossen werden, um verurteilt und in Einsamkeit zu leben. Am Ende sollen alle die gleiche Würde erhalten. Die amerikanische Verfassung werde das nun garantieren.

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