Ikonen von Damals: Rupert Everett

29 Aug 2017

In unserer Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor,berichten über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst vergangenen (Gay-)Tagen. Rupert Everett ist «gefallen», «vergangen» und dann und wann doch plötzlich wieder da.

 

 

 

Das Internat verliess er mit 16 Jahren, von der Schauspielschule in London flog er wegen unzähliger Regelverstösse, sein Geld verdiente er sich eine Zeit lang als Callboy. Sein Ruf als Aussenseiter verhalf dem 1959 in England geborenen Rupert Everett zur Rolle des schwulen Internatszöglings Guy Bennett in dem Film «Another Country» (1984), in dem er neben Colin Firth debütierte. Die darauf folgende Karriere als Schauspieler, Popsänger, Romanautor und Model gleicht einer Achterbahnfahrt. Everett drehte viele sehr schlechte Filme und einige sehr gute. Den grössten Kassenerfolg hatte er 1997 als schwuler Freund von Julia Roberts in «Die Hochzeit meines besten Freundes». Irgendwie scheint es ganz so, als ob Rupert beruflich und privat «dauerschwul» ist. Mehr dazu weiter unten.

 

Everett ist irgendwie dauerschwul

 

 «Hello, Darling, Are You Working?», ist der Titel eines Romans von Rupert Everett. Darin beschreibt Everett, von Beruf Schauspieler, das Arbeitsleben eines Schauspielers, der oft nicht arbeitet, weil er keine Rollen hat. Das ist kein seltener Fall – es gibt deshalb einen Begriff dafür, ob ein Schauspieler als Schauspieler arbeitet oder als etwas anderes. Der eine ist ein «Working Actor», der andere bloss ein «Actor».  Nach besagtem «My Best Friend's Wedding» folgte bald darauf «The Next Best Thing» mit Madonna. Cruiser findet, sowohl der Film als auch Madonna und Everett sowieso wurden in diesem Film unterschätzt – er gehört definitiv in jede Gay-Filmsammlung – das nur so nebenbei.

Rupert Everett ist grosser Oscar Wilde-Fan; 2002 kam die Wilde-Verfilmung «The Importance of Being Earnest» in die Kinos, es war nach «An Ideal Husband» die zweite Oscar Wilde-Verfilmung, in der er mitwirkte. «Oscar Wildes Leben hat mich sehr berührt. Ich finde es traurig, dass er wegen seiner Homosexualität von der Gesellschaft ausgegrenzt wurde», sagte Everett einst in der «Süddeutschen Zeitung». Everett versteht es bis heute nicht, warum Homosexualität in Hollywood noch immer ein Tabuthema ist und sorgte mit der Aussage «Wer Karriere machen will, sollte sich niemals outen» für Zündstoff in der LGBT-Community. «Es ist nicht besonders ratsam sich zu outen, um ehrlich zu sein. Es ist nicht einfach. Ganz ehrlich, ich würde keinem Schauspieler, dem wirklich an seiner Karriere liegt, dazu raten, sich zu outen.» In dem berühmten Interview, das Everett dem britischen «Guardian»  gab, geht der Schauspieler auch auf seine eigene Situation ein. «Tatsache ist, du konntest und du kannst es als 25-Jähriger Homosexueller im britischen Filmbusiness oder im amerikanischen Filmbusiness oder sogar im italienischen Filmbusiness nicht schaffen. Es funktioniert einfach nicht, und an einem bestimmten Punkt rennst du gegen die Wand. Für eine Weile scheinen die Dinge zu laufen, doch bei dem ersten kleinen Fehler lassen sie dich sofort fallen.»
 

 

Glaubt man Everett, stehen die Dinge für Schwule in Hollywood zurzeit sogar noch viel schlimmer: «Dieser Tage in Hollywood zu sein, fühlt sich an, als wäre man bei den christlichen Fundamentalisten gelandet. Es ist sehr, sehr rechts, selbst wenn sie alle behaupten, Anhänger der Demokraten zu sein.» Er selbst wurde in den Fummel gezwungen» - ein Bezug auf seine Rolle in «Die Girls von St. Trinian»  Everett spielt dort die abgehalfterte Schuldirektorin Camilla Fritton. (Allerdings sagte Everett in einem anderen Interview, dass er grossen Spass an der Rolle gahbt habe. Nun ja. Schauspieler halt).

Ob es wirklich an seinem Outing liegt, dass die Rollen für Everett eher rar geworden sind? Oder liegt es an seiner Art? Die «Süddeutsche» nimmt in einem Interview kein Blatt vor den Mund und bezeichnet Everett als «schwierigen Schauspieler».

 

 

 

Everett gilt als schwieriger Schauspieler

Everett zeigte sich im damaligen Gespräch reumütig: «Ich habe mich geändert. Dass ich früher ein hysterischer Hypochonder war, lag daran, dass gleich zu Beginn meiner Karriere die grosse Aids-Epidemie ausbrach. Mein Sexleben war so ausschweifend, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, nicht infiziert zu sein. Fast jeder, mit dem ich geschlafen hatte, lag im Sterben. Ich rechnete täglich damit, die ersten Symptome der Seuche an mir zu entdecken. Einmal wurde ich bei Dreharbeiten von einer Mücke gestochen. Ich dachte: Das ist es jetzt, ein Karposi-Sarkom, der Anfang vom Ende! Man kann im Film sehen, dass mir von dem Moment an alles egal war. Meine Angst machte mich unberechenbar.» Aha. Wir kennen da andere, die mit der Aids-Krise besser umgegangen sind. Item: Rupert hat geruhigt und das ist sicher nicht schlecht.

 

 

 

 

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