News: Der TV-Wiederbelebungsversuch einer Kultfigur

 

Winnetou – wenn ich als Kind diesen Namen hörte, faltete sich sofort eine geheimnisvolle und gefährliche Welt auf. Unzählige Male wurde sich angeschlichen, Rothäute kämpften gegen Weisshäute und klar, nur der Gruppenanführer durfte Winnetou sein, ich bekam immerhin manchmal die Chance, ihn als Old Shatterhand begleiten zu dürfen. Dabei durfte natürlich die legendäre Blutsbrüderschaft nicht fehlen (wir hatten damals weder Angst vor Blutvergiftungen noch vor AIDS).

 

Jetzt also ein Remake, vollmundig angekündigt von RTL als das Weihnachtshighlight 2016. Zunächst einmal stösst man auf Vertrautes: Die Kulisse ist wieder in Südkroatien angesiedelt, die Filmmusik wurde nur sanft modernisiert, sodass man sofort mitsummen kann. Auch einige der

 

Foto : RTL 2016

 

damaligen Schauspieler sind – gealtert – wieder mit von der Partie. Und die Hauptdarsteller? Pierre Brice war damals für alle das absolute Idol und die Verkörperung des integren Indianers. Eine Bewunderung, die Gendergrenzen übersprang, die Jungs wollten so sein wie er, die Mädchen wollten ihn, manche wollten beides. Winnetou? Hach! (Mit dahinschmelzender Stimme intoniert.)

 

2016 werden wir mit einem eher kernigen als smarten Winnetou konfrontiert, dargestellt von dem bei uns noch unbekannten Albaner Nik Xhelilaj.

 

Dieser tritt zwar neuerdings oben unbekleidet auf und zeigt damit seinen gut gebauten Körper, der von einigen Trainingseinheiten zeugt, mir konnte er aber aufgrund des irgendwie hölzern wirkenden Auftretens kein dahingeschmolzenes «Hach» entlocken. Gefühlt nicht ganz so schnell wie in der Vorlage entwickelt sich eine wahre Männerfreundschaft zwischen Rot- und Weisshaut, die die üblichen Gefahren überwinden muss. Schnell wird klar, dass neben dieser Männerfreundschaft , aus der sich keine schwule Erotik ablesen lässt (ganz anders als etwa bei der Bully-Herbig-Parodie, die mit der Puder-Rosa-Ranch ein klares Zeichen setzte), eher die typische heterosexuelle Anziehungskraft zu Nscho-Tschi, aufgestiegen zur Schamanin des Apachen-Stammes, für Old Shatterhand von Bedeutung werden wird.

 

Mich hat dieser erste Teil daher ein wenig ratlos zurückgelassen in Bezug auf die Frage, ob sich das Remake zu sehen lohnt.

Teil 2 am 27. Dezember, Teil 3 dann am 29. Dezember auf RTL

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