Portrait: Michi Rüegg

Er sagt, was er denkt und eckt damit schon mal an. Michi Rüegg mag die Provokation, kennt aber die Grenzen und gibt sich bei Bedarf ganz seriös. Dennoch fühlt sich der spitzzüngige Cruiser-Kolumnenschreiber am wohlsten, wenn irgendwo die Kacke dampft.

 

 

Kolumnenschreiber, freier Journalist, Redaktor, Mediensprecher, Kommunikationsberater, Texter, Konzepter, Buchautor, Theaterregisseur, Dozent... Es scheint nur wenig zu geben, das Michi Rüegg nicht ist oder bereits einmal war. Die Cruiser-Leser kennen ihn hauptsächlich als Schreiber. Seit zehn Jahren liest man hier regelmässig seine spitzzüngigen Leitartikel – unlängst hat er es sich dabei mit den Lesben verscherzt. Aber das lässt Rüegg ziemlich kalt, er mag die Provokation, wie er sagt. Und wenn er provoziert, dann gibt er je nach Situation gleich auch möglichst viel oder gar alles von sich preis, denn so mache man sich – so Rüegg – nicht erpressbar.

 «Natürlich gibt es eine Grenze zwischen Offenheit und Unverschämtheit. Undiplomatisch bin ich selten», sagt er. Das nicht zu sein, hat der 39-Jährige spätestens dann gelernt, als er Kommunikationsbeauftragter der Direktion der Justiz und des Innern Kanton Zürich wurde. Auch in seinem momentanen Job als Kommunikationsleiter des Sozialdepartements der Stadt Zürich sind seriöses Auftreten und Diplomatie das A und O. Zwar hätte ihn die SVP am liebsten brennen sehen, nachdem Rüegg einst in seinem Zeitungsbericht über deren Albisgüetlitagung den dort servierten Hackbraten ins Zentrum des Geschehens stellte. Aber wirklich undiplomatisch war das ja nicht – wenn es sonst nichts zu berichten gab? «Sowieso blicken die wenigsten durch, dass der bissige Schreiber Michi Rüegg dieselbe Person ist wie der Pressesprecher Michael Rüegg», sagt er amüsiert.

 

 

Aus Langeweile zum Bühnenautor

Ein Schreiber aber ist und bleibt Michi Rüegg weiterhin, das wurde ihm dem Anschein nach in die Wiege gelegt, obschon er von sich selbst sagt, er habe nie was «Richtiges», nie was Gescheites gelernt. Aber er scheint dennoch etwas goldrichtig gemacht zu haben. Wie wäre er sonst je dazu gekommen, Sprecher für so wichtige Ämter zu werden? Oder für die Migros Werbespots zu produzieren und für Erich Vock Bühnenprogramme zu schreiben? Angefangen hat er Letzteres einst aus purer Langeweile. Als ihm Däumchendrehen zu monoton geworden war, schrieb Rüegg im Jahr 2000 einfach mal ein Theaterstück. Die Weichen schienen gestellt – der Autor wurde bald auch Regisseur und gar Theatergründer – das Dr.-Karl-Landsteiner-Jubiläums-Theater ist Michi Rüeggs «Kind». Aktuell arbeitet er nebenbei für den Sänger Leo Wundergut: Der Liederabend «Davon geht die Welt nicht unter» feiert am 4. März Premiere in Miller’s Studio.

 

Rüeggs Texte entstehen meist nicht im Rahmen des Schreibprozesses, sondern er hat sie grundsätzlich fast fixfertig im Kopf – lange bevor sie überhaupt zu Blatte geschrieben sind. Und wie Rüegg eben so ist, sind diese Texte hauptsächlich satirischen, humoristischen und ironischen Charakters. Als potenziellen Projektstoff führt er seine Aversion gegen Büros an, die er dereinst als Buch herauszugeben in Erwägung zieht. Doch alles zur Zeit – wir erinnern uns: Er ist ja eher der Unstetigkeit verpflichtet. Und da ist schliesslich immer noch der verhinderte Gastwirt, der in ihm schlummert. Beim Kochen nämlich, so Rüegg, könne er richtig fleissig sein. Auf alles andere treffe das nicht zu – behauptet er. «Ich bin faul. Faulheit ist toll. Wäre ich irgendwo Chef, würde ich nur faule Leute einstellen, die erst dann in Fahrt kommen, wenn’s drauf ankommt.» Klingt wieder ganz nach ihm.

Dennoch: So richtig will man dem redseligen Mann diese erklärte Faulheit nicht abkaufen, eher kokettiert er damit bewusst ein bisschen (was ihm aber ganz gut steht). Zu viel hat er am Laufen, zu viel hat er bereits erfolgreich auf die Beine gestellt...

 

Das ausführliche Portrait erscheint im Cruiser "Februar 2017"

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