Tickets zu gewinnen für «Hundeherz» von Michail Bulgakow

Alvis Hermanis inszeniert am Schauspielhaus Zürich Bulgakows Parabel «Hundeherz» -  detailreich, realistisch und etwas betulich. Und genau das macht das Stück umwerfend. Überzeug dich selbst vom Stück; wir verlosen Tickets!

 

Von Stephan Inderbitzin

 

 

Der auf Verjüngungsoperationen spezialisierte Filipp Filippowitsch wagt ein Experiment: Die Operation von einem Hund in einen Menschen. Ein Strassenköter soll dem erfolgreichen Moskauer Arzt und Wissenschaftler als Versuchsobjekt dienen, ebenso wie die Organe eines gerade verstorbenen männlichen Säufers. Gemeinsam mit seinem Assistenten Bormenthal gelingt die Menschwerdung des Hundes – aus Lumpi wird Lumpikow. Die Fachwelt ist begeistert und feiert sich selbst. Doch der Prototyp einer neuen Zukunft zeitigt ungeahnte Folgen und gerät schliesslich ausser Kontrolle …

 

Der Sprachkünstler Michail Bulgakow hat mit seinem Roman «Hundeherz» von 1925, der wegen angeblicher konterrevolutionärer Tendenzen zensiert wurde, in Anlehnung an Goethes «Faust» und Mary Shelleys «Frankenstein» eine spannungsgeladene, aberwitzige Groteske über einen fantastischen Laborversuch geschrieben, der im Kampf zwischen Schöpfer und Geschöpf gipfelt. In Bulgakows satirischer Parabel, die erst 1968 in einer russischen Exil-Zeitschrift veröffentlicht wurde, geht es in der Tat um die Erschaffung eines «neuen Menschen». Bulgakow, selber Arzt, stellt seine Novelle damit in die Tradition von Frankenstein, Jekyll-Hyde, Golem, Homunkulus: von Menschen geschaffene Chimären, die sich der Herrschaft ihrer Erzeuger entziehen.

 

Schauspieler mit enormer Präsenz

Was hier vergnüglich und bisweilen sogar «gay» klingt, wurde von der Kritik durchzogen aufgenommen. Die NZZ titelte «Nicht amüsant, sondern schlecht» und schreibt weiter: «Aus dem bitterbösen Stoff wird ein netter Schwank.» Ganz so ist es denn aber nicht; in der Hauptrolle begeistert Robert Hunger-Bühler – ein grandioser Schauspieler, der alleine durch seine Präsenz fasziniert. Das Bühnenbild von Kristne Jurjne passt ebenfalls. Bücherschrank, Vitrine, Vertiko, Paravent, Operationssliege, Garderobe, Standuhr, sogar ein Cheminée fügen sich zur grossbürgerlichen Wohnung und Praxis des Professors. Das ist lustvoll anzusehen und wirkt irgendwie auch herrlich altbacken.

Ob man das Bühenbild nun mag oder nicht; letztendlich muss einfach gesagt werden, dass die Tatsache, dass im Stück ein Professor dank einer Hoden-Transplantation und einer Hirnanhangdrüse von einem verstorbenen Menschen in dem lebenden Körper eines Hundes ein neues Geschöpf erschafft, einfach schon per se herrlich schräg und schrill ist. Was das für ein Geschöpf ist – Mensch, Tier, ein «Es» oder ein «Er» oder gar ein Sowjet (!) ist unklar und letztendlich auch irrelevant.

 

 

Polarisierender Regisseur

Regie führt bei «Hundeherz» Alvis Hermanis. 1965 in Riga geboren, leitet er seit 1997 das «Neue Theater Riga», ein zeitgenössisches Repertoiretheater. Hermanis ist bekannt dafür, dass er sich bei seinen Inszenierungen an der Arbeit der Schauspielenden orientiert. Also eigentlich ganz so, wie ursprünglich gedacht. Entsprechend bezeichnet er sich auch als «altmodischer» Regisseur. Im Falle von «Hundeherz» stellt Alvis Hermanis das Stück quasi unter eine Lupe und der damit erreichte Überrealismus lässt kein Detail aus. Das funktioniert in diesem Fall bestens, finden die einen. Die anderen sind ganz offensichtlich nicht dieser Meinung, die NZZ nämlich kann ihren Ärger kaum zurückhalten: «Doch was flott beginnt, erstarrt rasch: Die Schauspieler spielen nicht mit ihrem Text, sie sagen ihn mehr schlecht als recht auf, es entsteht kein Sog, man schaut sich eine Handlung an, lacht, schmunzelt – und langweilt sich alsbald.» Nun, «Langeweile» setzt bei «Hundeherz» nicht ein, wenn man sich vollkommen auf das Stück einlässt. Und wenn man sich nicht mit der Idee ins Theater setzt, man würde danach irgendwie «geläutert» oder erhellt aus dem Stück kommen, denn das war nie die Intention des Werkes von 1925.

 

Grossartig also die schauspielerische Leistung und auch ganz besonders diejenige von Fritz Fenne als Lumpi-Lumpakow. Wie er winselt, knurrt, bellt, schnüffelt und sich an den unfeinsten Körperstellen kratzt, ist schlicht grossartig. Sein Gang, seine langsam sich formende Artikulation, die wachsende Beherrschung der Gliedmassen, die zunehmende Dreistigkeit - tierisch gut!

Klar, die Erwartungen waren hoch bei der Premiere; zumal kurz vor der Premiere noch eine Sprayerei für Aufregung sorgte: «Liebe Mitarbeitende des Schauspielhauses, Alvis Hermanis ist ein Schandfleck in eurem Lebenslauf! Freundliche Grüsse Hendrik Höfgen». Mit dem Einverständnis des Kunsthauses sprühte das Schauspielhaus auf ebendiese Plattform eine Replik: «Unser Kommentar dazu auf www.schauspielhaus.ch.»

 

Und genau hier haben wir ja bereits das, was Kultur eigentlich soll: aufregen, anregen, agieren und interagieren. Kurz: Kultur soll bewegen. Und das ist dem Schauspielhaus mit «Hundeherz» mehr als gelungen.

 

Schauspiel Michail Bulgakow: Hundeherz. Schauspielhaus Zürich, Pfauen, bis 3. April.

 

Gewinne ZKB-Tickets: schicke einfach ein Mail an: lgbt@zkb.ch mit dem Stichwort Cruiser und deinem Namen.

 

 

 

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