Ikonen von Damals: Grace Jones

«Ich rebelliere immer»

 

In unserer Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor, berichten über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst vergangenen (Gay-)Tagen. Dieses Mal: Grace Jones ist eben 70 geworden.

 

Von Christina Horsten & Moel Maphy

 

Sängerin, Schauspielerin, Mode-Ikone: Grace Jones feierte schon mit Andy Warhol, schauspielerte an der Seite von «James Bond» und trug ausgefallene Kleidung lange vor Lady Gaga. Eben ist Jones 70 Jahre alt geworden. Alter? «Mein Gott, dieses Wort benutzte ich nicht. Ich nenne es Weisheit», sagte sie erst kürzlich dem «Guardian». Seit mehreren Jahren arbeite sie bereits an dem neuen Album. «Zwischen dem Buch, den Auftritten und dem Film mussten wir es immer wieder verschieben.» 

 



Jones ist ein Gesamtkunstwerk - und das unumstrittene Original. Die Diva feierte im sagenumwobenen New Yorker Club «Studio 54», wurde mit ihrem extravaganten, androgynen Aussehen und Disco-Liedern zum Star der Gay-Szene.
 

Starallüren mit 70

Ins Laufsteg-Business zieht sie allerdings nichts mehr. «Ich bin so froh, dass ich das heutzutage nicht mache. Ich wäre wahrscheinlich tot. Alle sind so dünn. Mit Grösse 34 ist man doch eine wandelnde Leiche. Überhaupt nicht sexy. Ich war damals Grösse 36 oder 38, aber meine Schultern sind breit, das war schwierig, in die Sachen hineinzupassen. Heutzutage würden mir wahrscheinlich die Laufsteg-Kleider überhaupt nicht mehr passen.»
 

 

Geboren wurde Jones 1948 als Grace Mendoza in dem kleinen Örtchen Spanish Town nahe der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. Ihr Vater war Politiker und Priester. Die Eltern zogen bald in den US-Bundesstaat New York, Jones studierte Theater, bekam erste Film- und Fernsehrollen und schliesslich auch einen Plattenvertrag. Songs wie «I Need a Man» oder «Do or Die» wurden zu Disco-Hits. Auch mit ihrem Temperament macht Jones Schlagzeilen. Einen britischen Talkshow-Moderator schlug sie, als er ihr den Rücken zudrehte. «Ich habe mich geändert und bin nicht mehr so ungeduldig, wie ich früher einmal war», sagt sie heute.


Ihre Allüren pflegt sie aber weiterhin. Vor Anbruch der Dunkelheit stehe sie nicht für Interviews oder Auftritte zur Verfügung, heisst es in der Branche. Sie lebe in ihrer eigenen Welt, auch «Graceland» genannt, ernähre sich fast nur von Champagner und Austern (die sie selbst aufknackt) und verreise stets mit Dutzenden Koffern voller Kleider.


Wie lange sie ihr volles Programm noch weitermachen und dabei so blendend aussehen kann? Ein Ende sei nicht absehbar, sagt Jones. Schönheitsoperationen lehnt sie ab. «Ich lasse mich nicht aufschneiden.» Ihr Aussehen sei einfach genetisch bedingt. Und ausserdem: «Ich rebelliere immer. Ich denke nicht, dass ich je aufhören werde.»
Grace Jones feierte ihren Geburi am 19. Mai. Happy Birthday, Grace.

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