Cyndi Lauper ist 65 geworden: «Ich will ernst genommen werden.»

19 Jun 2018

In unserer Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor, berichten über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst vergangenen (Gay-)Tagen. Dieses Mal: LGBT*-Ikone Cyndi Lauper.

 

 

Schon auf Cyndi Laupers Debüt-Album waren Hits wie «Girls just want to have fun» und «Time after time» - inzwischen Klassiker der LGBT*-Community. Lauper ist 40 Jahre später immer noch erfolgreich - und kämpft trotz allem weiter um Anerkennung. Am meisten bedeutet Cyndi Lauper aber der Erfolg ihres Broadway-Musicals «Kinky Boots». «Du kannst alle Preise der Welt haben, aber ich habe die Auszeichnung für das beste Musical bekommen und das bedeutet mir alles», sagte die Musikerin, die letzten Monat, am 22. Juni, 65 Jahre alt geworden ist, jüngst dem britischen «Telegraph».

 

«Mein ganzes Leben lang hat meine Plattenfirma zu mir gesagt: ‹Du bist Cyndi Lauper, du kannst nicht solche Songs schreiben.› Sie wollten, dass ich immer und immer wieder ‹Girls just want to have fun› schreibe. Ich wollte das nicht.»

 

Sexy Stiefel für Dragqueens

Das Musical «Kinky Boots», das in Deutschland in Hamburg läuft, erzählt davon, wie der Erbe einer Schuhfabrik diese vor dem Ruin rettet, indem er sexy Stiefel für Dragqueens und Travestiekünstler herstellt. Seit 2013 läuft es erfolgreich in New York und wird auch weltweit aufgeführt. «Das war Freiheit», sagt Lauper. «Es war eine Möglichkeit, mal nicht ich selbst zu sein, und einfach nur Songs zu schreiben.»

Bereits in den 1990er-Jahren hatte sich die Sängerin immer wieder für die Rechte der LGBT*-Community stark gemacht und wurde dafür sogar oft belächelt. Erst viel später kam dann die Wende: Lauper wurde für ihre humanitäre Arbeit gefeiert, insbesondere als Verfechterin der LGBT-Rechte in den Vereinigten Staaten, ihre wohltätigen Bemühungen wurden 2013 gewürdigt, als die Sängerin als besonderer Gast zur Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama eingeladen wurde.

 

Wrestling-Managerin, Schauspielerin und Sängerin

Lauper ist ein Energiebündel, tanzte schon in den 80er-Jahren durch MTV-Videos und versuchte sich neben der Musik als Schauspielerin, Wrestling-Managerin und Aktivistin für Rechte von Schwulen und Lesben. Mehr als 50 Millionen Alben hat Lauper verkauft, allein ihr Debüt-Album «She's so unusual» von 1983 mit Hits wie «Girls just want to have fun» und «Time after time» verkaufte sich weltweit mehr als 16 Millionen Mal. 2016 brachte sie ihr bislang letztes Album «Detour» auf den Markt und tourt seitdem wieder durch die Welt. Bis September sind Konzerte in Kanada und den USA angekündigt, ob sie auch in die Schweiz kommen wird, war Cruiser bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

 

 

Deutschschweizer Wurzeln

Geboren wurde Lauper im New Yorker Stadtteil Queens. Schon mit fünf Jahren begeisterte sie sich für Musik: Zum Sound der Musical-Platten ihrer Mutter tanzte sie durch die Wohnung, mit zwölf lernte sie von ihrer Schwester Gitarre spielen. Im gleichen Alter begann sie, sich die Haare zu färben und extravagante Kleidung zu tragen.

Ihre italienischstämmige Mutter trennte sich früh vom Vater mit Deutschschweizer Wurzeln. Die Situation ihrer Mutter, die als Kellnerin arbeitete, um ihre drei Kinder durchzubringen, bedrückte die jugendliche Cyndi. Sie floh in die Weiten der Musik, hörte Musik von Judy Garland, Billie Holiday, Ella Fitzgerald und den Beatles. Als junge Frau versuchte sie sich über die Jahre in verschiedenen Coverbands und sang Lieder von Jefferson Airplane, Led Zeppelin und Bad Company.

 

Bis heute präsentiert sich Lauper in ausgefallenen Verkleidungen auf der Bühne, die Haare sind derzeit pink gefärbt. «Ich musste auf der ganzen Welt auftreten ohne Band, also habe ich mir Requisiten mitgenommen und Performance-Kunst daraus gemacht. Ich bin keine gute Tänzerin und wollte nicht einfach nur herumstehen wie ein Idiot bei Solos. Also habe ich meine Beine live im Fernsehen mit Farbe besprüht, das fanden die Leute zum Schreien.» Trotz allem ging es Lauper immer um ernsthafte Anerkennung - als Musikerin und als Frau - die sie lange nicht bekam. «Mein Ärger darüber hat mich angetrieben. Ich will einfach nur ernst genommen werden.»

 

Ruhe findet Lauper zu Hause. Seit 1991 ist sie mit dem gleichaltrigen Schauspieler David Thornton verheiratet, das Paar hat einen Sohn. Früher fand dieser die Mutter peinlich, «mittlerweile ist er stolz auf mich».

Auch nach mehr als 40 Karrierejahren denkt Lauper nicht ans Aufhören - sieht das aber auch selbstironisch. «Man sagt, dass nach einem Atomkrieg nur noch Kakerlaken und Cher übrigbleiben würden. Und ich wäre dann wahrscheinlich die Vorband von Cher.»

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