Karlheinz Weinberger oder die Ballade von Jim

19 Oct 2018

 

Die neue Ausstellung in der Photobastei zeigt den Zürcher Künstler Karlheinz Weinberger, alias Jim, wie man ihn noch nie gesehen hat: als Mensch, als Zürcher und als Liebhaber der männlichen Sinnlichkeit. Die Ausstellung geht dabei weit über die Porträts der Halbstarken hinaus, mit welchen er weltberühmt wurde und sich in unser kollektives und visuelles Gedächtnis eingeschrieben hat.

 

Wann:            Donnerstag, 1. November 2018 ab 18.00Uhr

Wo:               Photobastei, Sihlquai 125, 8005 Zürich

Eröffnung:      1. November 2018, ab 18 Uhr
Ausstellung:    2. November bis 23. Dezember 2018

                     jeweils Mittwoch bis Samstag 12 - 21 Uhr,                         Sonntag 12 - 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

Zur Eröffnung legen sich auch prominente Gäste ins Zeug und lassen sich – passend gestylt – zu Ehren des grossen Fotografen und Zürchers live porträtieren.

 

Über die Ausstellung


Auf Weinbergers Bildern sind fast ausschliesslich Menschen zu sehen – mehr Männer als Frauen. Die meisten seiner bevorzugten Sujets fallen bereits auf den ersten Blick aus dem gutbürgerlichen Rahmen ihrer Zeit. Karlheinz Weinbergers bekannteste Bilder sind Portraits von Halbstarken. Sein Werk umfasst jedoch bei Weitem nicht nur diese Porträts in ihrer spektakulären Aufmachung, die auch in den späteren Fotografien von Rockern und Tätowierten eine ebenso entscheidende Rolle spielt. Die Ausstellung in Zürich zeigt nun zum ersten Mal sein gesamtes Werk, darunter Schlüsselwerke aus allen Perioden sowie noch unveröffentlichte Werkteile, die einen starken Bezug zu Zürich aufweisen.

 

Weinbergers lustvolle Männerporträts stechen durch ihre eigenständige Ästhetik hervor. Sie sind bildstarke, freigeistige und selbstbewusste Antworten auf eine grundlegende gesellschaftliche Problemstellung der Nachkriegszeit: Wie (und wo) kann ein schwuler Fotograf in einer noch weitgehend homophoben, auf jeden Fall heteronormativen Gesellschaft, Männer fotografieren, die ihm gefallen? In der legendären, in Zürich beheimateten aber international ausstrahlenden Schwulenorganisation «Der Kreis» machte Weinberger den Hoffotografen, der die diversen Partys, Varieté-Abende und ihre Besucher dokumentierte, was ihn erklärtermassen aber eher mässig interessierte. Mit mehr Enthusiasmus steuerte er, unter dem Pseudonym Jim, für das gleichnamige und an Abonnenten in der ganzen Welt verschickte Magazin des Kreises homoerotische Portraits bei.

 

Die einzigartige Ausstellung zu Karlheinz Weinberger wird von Patrik Schedler konzipiert, der seit dem Jahr 2000 das Werk und später den Nachlass von Karlheinz Weinberger sichert, sichtet und erschliesst. Teil der gezeigten Ausstellungsstücke ist ebenfalls die Sammlung, die am «Les Rencontres de la Photographie d’Arles 2017» das erste Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

 

 

Über Karlheinz Weinberger

 

Karlheinz Weinberger (10. Juni 1921 in Zürich; † 10. Dezember 2006 ebenda) besuchte in Zürich das Literaturgymnasium und begann sich die Fotografie autodidaktisch anzueignen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war er zeitweise als Möbel- und Teppichverkäufer tätig, jedoch auch längere Zeit arbeitslos. Von 1955 bis zur Pensionierung 1986 war er Lagerist bei der Firma Siemens-Albis in Zürich. Karlheinz Weinberger starb 2006. Nur einmal, nach dem Tod seiner Mutter, ist er von der zweiten in die vierte Etage umgezogen. Die Gewöhnlichkeit seines Angestelltenlebens sprengte Karlheinz Weinberger mithilfe seiner Kamera, die er auf das Ungewöhnliche richtete. Später hat er sich denn auch «Fotograf für das Ungewöhnliche» auf seine Visitenkarte drucken lassen.

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