Kolumne: Ab in die Ferien!

31 Oct 2018

 

Der Autor sinniert vor dem Computer über das entspannte Glück in der Natur und das ewige Streben nach mehr.

 

Es waren die ersten Ferien seit langem, in denen ich nicht in irgendeiner Form in einem Projekt gearbeitet habe, sondern einfach mit dem Ziel der totalen Entspannung mit der Fähre von Belgien nach Nordengland gefahren bin. Danach weiter in den Norden Schottlands.

 

 

 

 

Schon alleine die Fahrt mit dem Schiff statt dem Flugzeug. Ankommen, einchecken, dann gut essen und danach mit Rentnern, Lastwagenchauffeuren und anderen Menschen von ausserhalb meiner Bubble noch trinken und tratschen. Danach, vor dem Schlafengehen, noch eine Zigarette draussen an der Reling, mit Blick in die Nacht. Die Heckwellen verschwinden im Schwarz der Nacht. Am nächsten Morgen die erste Zigarette mit Kafi wieder draussen, das Meer in Gold getaucht durch die aufgehende Sonne. Bereits 15 Stunden nach dem Ferienbeginn völlig tiefenentspannt, die Gedanken an Alltag und Geschäft vergessen. Einfach nur durchatmen.

 

Dann die Weiterfahrt nach Lochinver, ganz im Norden Schottlands. Durch Landschaften, die ausschauen wie auf dem Gotthard, einfach viel viel grösser. Unwirklich, alles in Rottönen. Lochinver ist ein Kaff, zwanzig Häuser säumen die Strasse zum grossen Hafen. Anscheinend einer der wichtigsten in Nord-Grossbritannien. Dazu drei Restaurants, ein Pub und einige B&Bs. In eines davon haben wir uns einquartiert. Klein, einfach, gutes Frühstück. Als mein Auto eines Morgens streikt, ruft die Inhaberin des B&Bs ihren Mann an. Der ruft einen Kollegen an. Und der zeigt mir den Trick mit dem Zündschlüssel, den ich nicht gekannt habe.

 

Man hilft sich, man grüsst sich, man ist für sich da. Das scheint überlebensnotwendig, wenn man im wenigst besiedelten Gebiet von ganz Europa wohnt. Der junge Mann am Tresen im Pub lebt offen schwul, spaziert mit seinem Freund und dem Hund durch das Dorf. Und keiner sagt etwas. Das hätte ich definitiv nicht erwartet. Wenn die älteren Leute dann ins Bett gingen und die wenigen Touristen sich auf den Heimweg machten, kamen die Jungen vom Dorf. Und wenn der Inhaber grad nicht guckte, erhielten sie ein Gratis-Bier. Auch das ein Füreinanderdasein in einer konjunkturschwachen Region.

 

So sinnierte ich bei Guinness, Whisky und Austern (ich wusste gar nicht, dass es in Schottland Austern gibt, die besten, die ich je hatte) über den Inhalt meiner Kolumne. Nichts ärgert, nichts stösst sauer auf, nichts fehlt zum Glück. Ausser vielleicht ein eigenes B&B, Zelte abbauen und ganz neu anfangen.

 

Am nächsten Morgen war mir schon klar, dass das ein sehr verklärter Blick auf Realitäten war. Aber noch viel mehr hat es mir gezeigt, dass wir uns hier in der Schweiz viel mehr Zeit füreinander nehmen sollten und den Alltag so nehmen, wie er ist. Ohne sich durch Stress, Facebook, Instagram und Arbeitgebern immer wieder in der Reflexion über sich selber und seinen Ehrgeiz mit seiner Bubble zu messen.

 

Komm her, du Glück. Bleib bei mir über die nächsten Tage und Wochen bis zum nächsten Urlaub.

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