Ein starkes Bekenntnis zur Diversität

Was macht einen guten Arbeitgeber aus? Einer der grundlegenden Faktoren ist zweifelsohne Chancengleichheit unter den Mitarbeitenden – unabhängig von der sexuellen Orientierung.

 

Von Andreas Faessler

 

 

Die Zürcher Kantonalbank erweist sich als besonders fortschrittlich und innovativ, was Diversität und Gleichbehandlung homosexueller Angestellter angeht. Für ihr aufrichtiges Engagement ist die Bank nun gemeinsam mit sechs weiteren Unternehmen und Einrichtungen mit einem besonderen Label ausgezeichnet worden.

Zwei adrette Männer suchen sich im Schauspielhaus ihren Platz in der Parkettbestuhlung. Zwei andere Herren sitzen in der gemeinsamen Wohnung auf dem Sofa und besprechen dem Anschein nach etwas über ihre Haushaltsplanung. In einer weiteren Szene freuen sich zwei einander innig zugewandte Frauen über ein gemeinsames Passfoto... Die zuweilen intimen Momentaufnahmen waren und sind allesamt Sujets von Finanzberatungs-Werbekampagnen der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Dass es sich bei den abgebildeten Männern und Frauen um gleichgeschlechtliche Pärchen handelt, wird vorderhand nur subtil

 vermittelt, ist aber bei wachem Blick unverkennbar. Etwas offensichtlicher und mit einem zusätzlichen Niedlichkeitsfaktor kommt die ZKB-Rabattkampagne in Zusammenarbeit mit dem Zoo Zürich daher. Sie zeigt zwei Pinguinmännchen und den Slogan «Herr und Herr Pinguin: natürlich verliebt».

 

 

Die grundsätzlich unverfänglichen Motive tragen eine klare Botschaft nach aussen und zeugen von einer offenen, zeitgemässen Philosophie, einer Philosophie der Diversität, der Akzeptanz, der Chancengleichheit. Die ZKB hat 2007 begonnen, aktiv LGBTI-Marketing zu betreiben, dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Schweiz in genanntem Jahr die eingetragene Partnerschaft Gleichgeschlechtlicher eingeführt hat, was wiederum rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Finanzangelegenheiten aufwarf. «Wir haben damals Finanzberatungs-Veranstaltungen ins Leben gerufen, die sich explizit an die LGBTI-Gemeinschaft gerichtet haben», rekapituliert Markus Sulzer, Projektleiter Sponsoring bei der ZKB. Dabei sei es der Firma aber von Anbeginn um mehr als nur das «Gay-Marketing» gegangen oder um das Füllen rechtlicher Lücken, nämlich um ein klares Wertestatement als Teil der gesellschaftlichen Verantwortung, mit welcher die Bank ihren Leistungsauftrag übersetzt. «Es ist unser Bekenntnis zur Diversität», sagt Sulzer. «Die ZKB legt hohen Wert auf die Gleichbehandlung von Personen mit unterschiedlicher sexueller Orientierung. Ohnehin pflegen wir bei der ZKB eine Chancengleichheit für alle Mitarbeitenden und auf allen Ebenen, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Alter oder körperlicher Beeinträchtigung.»

 

 

Keine Klischees bedienen

Diese Chancengleichheit schlägt sich denn auch darin nieder, dass die LGBTI-Thematik innerhalb der Firma keinen Sonderstatus einnimmt, sondern mit absoluter Selbstverständlichkeit einhergeht. Weitere Indizien für diese zeitgemässe Haltung sind die Funktion der ZKB als Hauptsponsorin des lesbisch-schwulen Filmfestivals Pink Apple sowie mehrere Mitgliedschaften bei LGBTI-Organisationen, wie beispielsweise der Homosexuellen Arbeitsgruppe Zürich HAZ.

Markus Sulzer erinnert sich, wie die erste LGBTI-Kampagne der ZKB anno 2007 vereinzelt auch negative Reaktionen und Rückmeldungen ausgelöst hat. «Das positive Echo aber hat stets überwogen. Und die aktuellen Kampagnen sind ausnahmslos gut aufgenommen worden.» Vielleicht, weil die Kampagnensujets sehr «anständig» und subtil sind? Markus Sulzer: «Berührungsängste haben wir als ‹nahe Bank› zwar nicht. Aber wir möchten weder plump sein, noch irgendwelche Klischees bedienen. Ich frage mich, ob es demnach Sinn machen würde, für eine Finanzierungs-Kampagne beispielsweise ein sich küssendes gleichgeschlechtliches Paar abzubilden.»

 

 

Finanzberatung: Noch immer gesetzliche Hürden für homosexuelle Paare

Diversity und der Einsatz für LGBTI-Anliegen sind der ZKB wichtiger als Konkurrenzdenken, was für den Aussenstehenden eine sympathische Erkenntnis ist: So pflegt die ZKB auf diesem Gebiet den regen Austausch mit anderen Firmen, insbesondere innerhalb der Finanzbranche. Sulzer: «Werte wie diese stehen ganz klar über der Eigenprofilierung.»

Stichwort Werte: Sie sind auch ein wichtiger Faktor bei der Beratung von LGBTI-Kunden. Gemäss Urs Beglinger, Leiter Stab Private Banking Zürichsee, ist es gerade dieser Zielgruppe besonders wichtig, sich wohl zu fühlen und ihre eigenen Werte wiederzufinden. «Wir versuchen bewusst, ein LGBTI-freundliches Umfeld zu schaffen, indem wir beispielsweise Gesprächs-Unterlagen mit LGBTI-Botschaften personalisieren», erklärt Beglinger. Eine nicht unerhebliche Rolle bei der Beratung spielen die weiter oben erwähnten rechtlichen Lücken, die sich mit dem Einführen der eingetragenen Partnerschaft im Jahre 2007 geöffnet haben. «Bei eingetragenen Partnerschaften gibt es gesetzliche Unterschiede, über die unsere Kunden jedoch selber schon recht gut Bescheid wissen.» Aber die genauen Auswirkungen auf finanzieller Seite seien noch nicht allen bewusst. «Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Familienkonstellation ist, desto schwieriger die rechtliche Situation», führt Beglinger aus. «Aufgrund der Gesetzgebung gibt es hier für gleichgeschlechtliche Paare noch immer zusätzliche Hürden.»

Die Hauptanliegen der LGBTI-Kundschaft bei einer Finanzberatung betreffen insbesondere Vorsorge, Absicherung und Steuern. «Fragen zu steuerlichen Konsequenzen bei einer eingetragenen Partnerschaft oder zur Absicherung von Partnerin/Partner, wenn einem etwas zustösst, stehen dabei im Zentrum», präzisiert Beglinger. «Für solche emotionalen Themen verfügen wir über Fachleute.»

 

ZKB gründet ihr hausinternes LGBTI-Netzwerk

Eine besondere Neuerung und gleichermassen ein wichtiger Schritt in Sachen LGBTI-Arbeit ist das ZKB-hausinterne, im Februar 2019 in Form eines Vereins aus der Taufe gehobene LGBTI-Mitarbeitenden-Netzwerk «Queers&Peers», welches unter dem Motto «Vielfalt macht uns stark – wir setzen uns dafür ein» den Dialog unter aktiven Mitarbeitenden und Pensionierten mit unterschiedlicher sexueller Ausrichtung fördern will. «Der Verein versteht sich als Ansprechpartner für LGBTI-Themen und ist bestrebt, insbesondere Führungskräfte, grundsätzlich aber alle Mitarbeitenden der Zürcher Kantonalbank, in Bezug auf LGBTI-Themen zu sensibilisieren», fasst Silvia Wehrli zusammen. Die Teamleiterin Berufliche Vorsorge ist Vorstandsmitglied von Queers&Peers. «Sowohl intern als auch extern tritt der Verein als Markenbotschafter auf und vertritt seine Anliegen in gleichgesinnten Netzwerken sowie in der Öffentlichkeitsarbeit», fasst sie Sinn und Zweck des Netzwerkes zusammen, welches künftig auch Anlässe und Events organisieren und durchführen wird.

 

Diverse Mitarbeitende engagieren sich bei der Zürcher Kantonalbank für Diversity-Themen, unter anderem: Silvia Wehrli – Vorstandsmitglied Queers & Peers, Markus Sulzer – Sponsoring, Ann-Kathrin Greutmann – Diversity & Inclusion, Daniela Giller – Manager Key Clients, Urs Beglinger – Stabsleiter Marktgebiet Zürichsee.

 

Gütesiegel für eine Kultur der Offenheit

Für ihren ehrenwerten Einsatz für Chancengleichheit von LGBTI-Menschen hat die Zürcher Kantonalbank Ende März als eines von sieben Unternehmen das neue, nun erstmals vergebene Swiss LGBTI-Label entgegennehmen dürfen. Dabei handelt es sich um ein Gütesiegel für Diversity Management und Inklusion. Ausgezeichnet werden KMU, Grossfirmen, Verwaltungseinrichtungen und Hochschulen, welche mit ihrem Engagement beweisen, dass sie eine Kultur der Offenheit, Inklusion und Wertschätzung gegenüber ihren LGBTI-Mitarbeitenden leben. «Diese Verleihung ist ein wichtiges gesellschaftliches Signal», sagen die Verantwortlichen hinter dem Label, welches von den Business-Netzwerken NETWORK und WYBERNET mit der Unterstützung der Dachverbände TGNS, Pink Cross, LOS und Regenbogenfamilien entwickelt worden ist. Es gibt Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich im Rahmen des Diversity & Inclusion Managements als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren und wahrgenommen zu werden – es fungiert quasi als Gradmesser für eine offene und wertschätzende Arbeitskultur. Neben der Zürcher Kantonalbank haben folgende Firmen und Einrichtungen das Label erhalten: VZ Holding AG, SBB AG, Insel Gruppe (Universitätsspital Bern), Credit Suisse AG, Mercer Schweiz AG und Almacasa (Spectren AG). Sie alle werden von den Organisatoren als Pioniere und gleichsam Vorreiter angesehen, die eine wichtige, wegweisende Aufgabe erfüllen.

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