Buchtipp: Mein schwules Auge 13


Wie in jedem Späterbst der vergangenen Jahre kommt der konkursbuch-Verlag auch dieses Jahr mit einer neuen Ausgabe seines «schwulen Auges» heraus, immerhin ist es bereits die 13. Thema ist das Fremde, ein Thema, das sicherlich 2016 jeder als omnipräsent empfunden hat. Kann dies also noch einen Reiz ausmachen?

Ja, das geht, denn wie immer gelingt den Herausgebern auch dieses Mal eine kluge Mischung von Bild und Textmaterial. Im Vorwort wird darauf hingewiesen, dass das Fremde ganz unterschiedlich auftreten kann, fühlt man sich nicht zuweilen in der Heimat fremd, ist fremd nicht manchmal ein Synonym für Anderssein oder gar das Innehaben einer Aussenseiterrolle?

Bei der Bildauswahl wird die Thematik an einigen Stellen sofort klar, zum Beispiel bei Männern in orientalischer Kleidung, an anderen muss man sich erst einmal ein paar Gedanken machen, beispielsweise bei einem an ein Pissoir angeketteten Mann in Adidas-Sportsocken. Aber das Gedankenmachen war ja neben der Unterhaltung immer eine Intention des «Auges», so bleiben sich die Macher ihrer Linie treu. Wer neben den Fotos noch etwas Lesefutter haben möchte, wird ebenfalls gut bedient: Die ausgewählten Beiträge geben Einblicke in viele Facetten schwuler Kultur, geboten wird vom Gedicht über Reiseberichte bis hin zu Erzählungen eine breite Palette an humorvollen, anregenden und nachdenklichen Texten.

Ein Buch also, das zugleich Interesse weckt und - nun ja: befriedigt, so etwas findet man selten .

Rinaldo Hopf, Axel Schock (Hg.): Mein schwules Auge 13. Das Jahrbuch der schwulen Erotik 2016/2017. Tübingen: konkursbuch 2016. 320 S. 23.90 Sfr ISBN 9783887695538

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