Interview Debora Mittner: Queer Refugees Support


Ein kleiner Schritt zur Integration

Homosexualität ist auch heute noch weltweit in über 70 Staaten verboten. Aus Angst um ihr Leben flüchten daher Menschen in Länder, in denen sie nicht verfolgt werden. Doch auch in den Asylländern leben LGBTQ*-Flüchtlinge häufig in Angst und Schrecken. Die homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) setzen sich, in enger Zusammenarbeit mit Queeramnesty, für die Unterstützung von queeren Geflüchteten ein. CRUISER sprach mit Debora Mittner, Vorstandsmitglied der HAZ und Mitbegründerin des Projektes «Queer Migs» über das «Welcome Café for Queer Refugees».

Cruiser: Du hast das Projekt «Queer Migs» mit ins Leben gerufen. Was ist das für ein Projekt?

Debora Mittner: Das Projekt Queer Migs wurde offiziell im Jahr 2013 gegründet. Es soll eine Anlaufstelle für Menschen sein, die neu in Zürich sind und durch uns einfacher Anschluss finden. Obwohl Zürich eine recht tolerante, multikulturelle Stadt ist, tun sich viele Migrant*innen damit oft schwer. Gerade in der LGBTQ*-Szene ist Deutsch bzw. Mundart die vorherrschende Sprache und dadurch fällt Migrant*innen die Kontaktaufnahme schwieriger. Wir wollten daher möglichst unkomplizierte Treffen schaffen, bei denen man die Stadt kennenlernt und andere Leute aus der Community. Wir veranstalten zum Beispiel das «Queer & Beer», einen offenen Treff mit ständig wechselndem Ort in Zürich.

Wieviele Leute kommen im Schnitt zum Queer und Beer?

Ziemlich konstant zehn Leute, manchmal auch mehr. Das Schöne an Queer & Beer ist, dass man ganz spontan kommen kann ohne Anmeldung.

Und für wen sind diese Treffen?

Eigentlich für jede weltoffene Person. Wir möchten jedoch keine «Expats-Bubble» sein, sondern ein Ort, an dem die Leute miteinander ins Gespräch kommen. Es kommt weder auf die Sexualität noch die Herkunft an. Wir sind seit einigen Jahren eine Arbeitsgruppe der HAZ und uns geht es vor allem darum LGBTQ*-Migrant*innen zu integrieren und zu vernetzten.

Ihr organisiert zudem jedoch auch das «Welcome Café for Queer Refugees». Wie kam es dazu?

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach einem Angebot für geflüchtete LGBT*-Personen organisiert Queer Migs seit November 2015 das Welcome Café for Queer Refugees. Das Café wird in enger Zusammenarbeit mit dem Focus Refugees Programm von Queer Amnesty (dem LGBT*-Arbeitskreis von Amnesty International) organisiert. Einmal im Monat treffen sich hier LGBT*- Asylsuchende und Flüchtlinge, Migrant*innen und Einheimische bei Kaffee und Kuchen.

Welche Intention steckt dahinter?

Die Asylsuchenden sind über die ganze Schweiz verteilt. Die meisten von ihnen leben in einem nicht gerade LGBT*-freundlichen Umfeld und halten zu ihrem eigenen Schutz ihre wahre Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung in der Regel verborgen. Daher haben die HAZ mit dem «Welcome Café» einen monatlichen, geschützten Treffpunkt geschaffen.

Wer genau kommt zu Euch ins Welcome Café?

Es kommen deutlich mehr Männer als Frauen. Über die Gründe für die Ungleichverteilung kann ich nur mutmassen. Ganz allgemein gibt es deutlich weniger weibliche als männliche Asylsuchende. Ich denke auch, Frauen haben in den betreffenden Ländern seltener überhaupt die Gelegenheit, ihre Homosexualität auszuleben.

Und wie kommuniziert Ihr mit den Flüchtlingen? Ich stelle mir gerade ein babylonisches Sprachgewirr vor?

Hier muss man ganz klar mit Vorurteilen aufräumen. Unsere erste das war aber so gar nicht nötig, da sich viele Flüchtlinge ganz gut über Englisch, Französisch oder Deutsch verständigen können.

Ist immer jemand von Queeramnesty dabei?

Ja, beim Welcome Café ist immer jemand von Queeramnesty dabei. Die Arbeitsgruppe Focus Refugees von Queeramnesty besteht aus rund 35 Männern und Frauen, die sich alle ehrenamtlich in ihrer Freizeit für die Verbesserung der Lebensumstände von LGBT*-Asylsuchenden in der Schweiz engagieren.

Debora Mittner

Das Welcome Cafe findet einmal im Monat statt. Bräuchte es nicht noch mehr Veranstaltungen und woran liegt es, dass es nicht mehr gibt?

Wir arbeiten alle als Freiwillige und sicherlich liegt es an fehlenden Ressourcen wie Zeit und Geld. Das grösste Problem ist, dass die Refugees kein Geld für die anfallenden Fahrkosten haben. Diese werden komplett von Queeramnesty übernommen. Spenden sind also immer willkommen!

Was suchen LGBT*-Flüchtlinge die zu Euch kommen und wie kann man ihnen helfen?

Es ist sehr viel wert einen Ort zu schaffen, an dem sie keine Angst haben müssen, sie selbst zu sein. Der soziale Austausch ist enorm wichtig. Der Support und das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht allein sind. Wir setzen auf Veränderungen im Kleinen.

Das ganz Gespräch ist im Cruiser Ausgabe November in der Printversion nachzulesen.