Schaffen Sie sich ja keine Quengelware an!


Cruiser Kolumnistin Marianne Weissberg schaltet sich diesmal in die heisse Wer-darf-Kinder-haben-Diskussion ein und rät, sich diese heikle Anschaffung gründlich zu überlegen. Was sie selbst natürlich versäumte.

Es geht diesmal um Quengelware. Was das ist, werden Sie fragen! Habe ich auch getan, als ich das erste Mal den Ausdruck las: Beim Posten, da erblickte ich über der Kasse ein Schild auf dem stand: Neutrale Kasse. Hier keine Quengelware! Ich blickte mich um: Gottlob, es stimmte, keine Goofen weit und breit. Es ist mir nämlich oft passiert, dass Eltern ihre quengelnden Kleinkinder extralangsam an mir vorbeischoben. Obwohl das Getöse der kleinen Ekel laut einer wissenschaftlichen Messung demjenigen von Düsenjägern entspricht. Wo ich residiere, wird die Quengelware gerne am Wochenende frühmorgens aus der Pent-housewohnung geworfen, damit sie dann vor meinem Fenster brüllen kann. Während ich noch Schönheitsschlaf halten möchte. Ganz schlimm sind die Erzeugerpäärli, die ihre Mini- Penisträger in XXL-Fussballliibli gewanden, damit die schon beim kindlichen Ballspiel lernen, was ein echter Hetero ist: Einer, der sich schmutzig macht und dümmlich aus der Wäsche guckt.

Ich als Mom war ja immer froh, wenn es an der Kasse viel Schleckzeugs hatte – dies nämlich die Bedeutung von «Quengelware» – mit der ich meine Jungs vollstopfte, damit sie friedlich waren. Ich war eine frustrierte Mom, viel zu früh geheiratet, viel zu früh schwanger. Dann gottlob alle aus dem Haus, als ich noch nicht so fertig aussah, wie die Frauen, die meinen, sie müssten kurz vor den Wechseljahren noch Kinder kriegen. Glauben Sie mir, dass ist für alle grässlich. Auch für mich. Denn das sind genau die Teppichratten, die an der Kasse kein Schoggivalium kriegen, weil das nicht gesund ist, gäll Emma!! Und dann werde ich strafend ange-schaut, weil ich sagte: «Jetzt geben Sie dem Kreischer endlich die Schoggi da, ich bezahle sie!!!» Wieso ich Ihnen das erzähle? Weil ja heiss diskutiert wird, wer Kinder zeugen / adoptieren darf. Ich finde zuallererst schwule Männer. So ein Männer-Paar ist das Beste für Kinder. Meist in interessanten Berufen tätig, ziemlich sicher solvent und, wie ich in meinem schwulen Umfeld sehe: äusserst attraktiv. Zum Vergleich das Normalo-Hetero-Päärli, das immer noch ungeprüft Kinder anschaffen darf: Er öde Karriere, sie es bitzli Teilzeit. Beide gestresst und kein appetitlicher Anblick, wenn sie ihr nörgliges Accessoire-Kind ausführen.

«Ich war eine frustrierte Mom, viel zu früh geheiratet, viel zu früh schwanger.»

Ich weiss das, ich war auch so. Ich erinnere mich, wie ich als grüne Mom endlich realisierte, dass ich mein Hirn abgegeben hatte. Beschloss, dass Kinderhaben und unglücklich verheiratet sein, inklusive grottenschlechtem Sex, mein Untergang sei. Ich begann feministische Frauenliteratur zu lesen und holte mir meinen ersten grossen R eportage-Auftrag in der USA, um meiner Quengelware zu entkommen. Die Kids versorgte ich bei einem Exliebhaber. Und als der meldete, dass der eine einen Köpfler ins untiefe Wasser gemacht habe und jetzt ein wenig komisch aussehe, reiste ich nicht vorzeitig heim, sondern schrieb lieber meine erste Coverstory. Ja, so eine Raben-Mom war ich. Heute bin ich längst glückliche Kinderfeindin. Wenn Sie trotz dieser Warnkolumne eins anschaffen und mich besuchen wollen, dann lassen Sie Ihre Quengelware bitte zuhause. Danke!

Marianne Weissberg ist Cruiser-Kolumnistin, Historikerin, Autorin & Inhaberin des Literaturlabels Edition VOLLREIF (www.vollreif.ch)

Ihre Werke u. a. «Das letzte Zipfelchen der Macht» oder die Kolumnen kolle ktion «Tränen ins Tiramisu» sind mitlerweile schon fast Kult.

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