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Lebenshilfe in Wanderschuhen, Coaching auf dem Radsattel

Queerwegs, heisst die Beratungs- und Coaching-Firma von Marcel Sonderer. Schnell erkennt man, dass seine Methode ebenso besonders wie einleuchtend ist.


Von Christian Felix


Treffen im Café «Odeon». Weil es in der Stadtmitte liegt, weil es im Café Nischen gibt, die ein ruhiges Gespräch ermöglichen. «Das ist nicht so meine Welt», sagt Marcel Sonderer dazu. «Ich halte mich viel lieber in der Natur auf.» Marcel, ein gertenschlanker Mann, sportlich, so um die fünfzig schätzt man, Brille, durch die seine Augen dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit schenken. Dazu Ostschweizer Dialekt. Zwar ist Marcel im Grossraum Zürich aufgewachsen, doch seine Eltern kommen aus dem Neckertal. Das ist ein kleines Seitental des Toggenburgs, ein vergessenes Stück Welt zwischen Thur und Appenzellerland, streckenweise so dünn besiedelt, dass man es zu einem Landschaftspark erklären könnte.


Die Füsse auf natürlichem Grund

Hier in ihrer alten Heimat hatten Marcels Eltern ein Ferienhaus behalten, hier hat Marcel einen Teil seiner Kindheit verbracht, unten am Necker, der noch wild fliesst, oder im Wald beim «Brötle», wie man im Osten für Grillen sagt. Er hatte eine aktive Mutter mit gesundem Selbstbewusstsein und Humor. «Meine Mutter stand mit beiden Füssen im Leben. Das hat sie mir mitgegeben. Ein eigener fester Stand ist Voraussetzung, um anderen professionell beistehen zu können», sagt Marcel. Und eben: Die Natur tut gut. Davon lässt sich Marcel inspirieren, wenn es ihm heute darum geht, Menschen in schwierigen Lebenslagen oder bei einer Neuausrichtung zu begleiten. Mit der Natur erklärt sich zum Teil auch der Name, den er für seine Coaching-Firma gewählt hat: Queerwegs, das klingt wie querfeldein. Und so läuft es tatsächlich bei Marcel.


Professionell und freundschaftlich zugleich

Marcel bietet sich Ratsuchenden, wenn man so will, als Freund auf Zeit an, natürlich mit einem professionellen Hintergrund als Coach. Wohlverstanden: Marcel ist kein Therapeut.

«Wenn ich Zeichen von anhaltenden psychischen Problemen sehe, empfehle ich der Person einen Psychologen. Ich kann mit Kontakten aushelfen und Anlaufstellen nennen, die ich aus meiner Berufserfahrung kenne.» Marcel füllt also mit seinem Angebot den Bereich zwischen Freundschaft und Therapie. Das wichtigste Merkmal dabei: Das Coaching erfolgt draussen in der Natur, am besten in Bewegung. «Ich möchte damit ein Gleichgewicht herstellen. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper», sagt Marcel. Das wussten schon die alten Römer.


Etwas ungewohnt Neues an Marcel wird im Gespräch im «Odeon» deutlich. Er vermittelt das Gefühl, dass er völlig offen ist gegenüber dem Menschen, mit dem er es zu tun hat. Er wirkt so, als sei er ein weisses Blatt Papier, auf dem man alles zeichnen kann, oder, in seiner Welt, eine Schneefläche, durch die noch keine Spur führt. Die Örtlichkeit, die Sportart und den Umfang der Aktivität wählen die Klienten selbst. Die Art und Weise, wie er das Coaching durchführt, passt er entsprechend an. Übrigens arbeitet er auch mit Gruppen sowie als Reiseleiter. In Sachen Sport bietet Marcel viel. So etwa Laufen, Schwimmen, Radfahren. Man errät es fast: Marcel ist ein Iron Man. «Das kann ich heute nutzen. Um den Iron Man-Wettkampf zu bestehen, musste ich ohne Wenn und Aber dranbleiben, mich auf ein Ziel konzentrieren, Hürden überwinden, vor allem in mir selbst.» Queer steht übrigens natürlich auch dafür, dass er sich mit LGTB-Menschen auskennt. Er selbst lebt mit einem Partner zusammen.


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