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Serie: Ikonen von Damals - C.C. Catch


In unserer Serie stellen wir Ikonen aus vergangenen Dekaden vor, berichten über gefallene Helden und hoffnungsvolle Skandalsternchen aus längst vergangenen (Gay-)Tagen. Dieses Mal: Discoqueen C.C Catch piepst sich durch die 1980er-Jahre.

Die Erfolge von C.C. Catch: 8 Top-20-Hits in drei Jahren. Zwischen 1985 und 1988 kam man in den einschlägigen Clubs (also im T & M) kaum an C.C. Catch vorbei. Produziert wurde die Sängerin von Dieter Bohlen, der damals mit «Modern Talking» erfolgreich unterwegs war.

C.C. Catchs Outfit war zu der Zeit irgendwie wahnsinnig international, ihre Attitüde ebenfalls – und hätte man es nicht besser gewusst, hätte man gedacht, C.C. Catch sei ein Glamourgirl aus den USA. Oder wenigstens aus Grossbritannien. Hinter dem Produkt C.C. Catch steckte aber nichts anderes als typisches Dieter-Bohlen-Kalkül. Als Hitschreiber am Fliessband und musikalischer Kern von Modern Talking hatte Bohlen damals einen derart hohen Output, dass es für die eigene Hausband «Modern Talking» unmöglich war, sämtliche von ihm komponierten Lieder einzuspielen. Der Markt wäre schlicht überschwemmt worden. Also war Bohlen auf der Suche nach jemandem, der seine Lieder singen konnte. «Resteverwertung» nannte er das wenig schmeichelhaft. In seinem Buch «Nichts als die Wahrheit» erinnert sich der Hit-Produzent an C.C. Catch und die «Resteverwertung»:

«Wer hätte sich für die Verwertung (der Lieder) besser geeignet als die bis dato völlig unbekannte Caroline Müller aus Rödinghausen, die ausser einer abgebrochenen Lehre als Schneiderin und einem eher mittelmässigen Stimmchen nur noch einen voll gruseligen Namen mitbrachte.»

Aus Caroline Catharina Müller machte Dieter Bohlen also C.C. Catch. Die Songs von Dieter lagen bereits fixfertig in der Schublade und warteten nur darauf, eingesungen zu werden. Die Hits eingespielt, fehlte nur noch ein entsprechender Look für Caroline Catharina Müller. Dieter Bohlen dazu: «Viel schwarzes Leder, Nieten, kurzes Top, 1A gestylt à la Suzie Quatro – vier Wochen, nachdem wir uns kennen gelernt haben, jumpte Caro mit ‹I Can Lose My Heart Tonight› auf Platz 13 der Charts.» Über Nacht war der Erfolg da. «Mensch, Dieter», jubilierte Caroline überschwänglich, «ohne dich hätte ich das niiiiie geschafft! Das werde ich dir niiiiiiie vergessen!»

«Niiiiiiie dauerte exakt vier Jahre», resümiert Dieter Bohlen weiter. Und: «Nach drei Top-Ten-Hits in Folge und zwölf weiteren Titeln in den Top-Twenty kriegte Caroline akute Alzheimer, gepaart mit Grössenwahn. Plötzlich hatte sie keine Erinnerungen mehr. Sie färbte mal eben die Haare weissblond, obwohl wir gerade erst ein Video in Brünett gedreht hatten und die ganze Marketingstrategie auf diesen Look abzielte. Ausserdem hielt sie es nicht mehr für nötig, sich vorzubereiten. Das sechste Album stand an. Sie erschien völlig unbeleckt und jungfräulich, was die Texte anging, dafür aber mit viel Töfftöff zu den Plattenaufnahmen im Studio: ‹Nix hier Weltstar!›, meinte ich. ‹Fahr mal hübsch nach Hause, färb dich um und lerne deine Texte. Dann kannst du wieder kommen.› Sie kam nicht wieder.»

Bohlen räumte CC Catch keine grossartige (musikalische) Zukunft ein. Und so war es denn auch. Was danach passierte, weiss niemand so genau, ausser Wikipedia: «C. C. Catch zog daraufhin nach England und arbeitete mit verschiedenen Produzenten, darunter mit dem ehemaligen Gitarristen von Duran Duran, Andy Taylor, zusammen». Wir wiederum wissen, dass aus dieser Zusammenarbeit keine Hits resultierten. Immerhin: Frau Müller tingelte recht erfolgreich mit ihren alten Bohlen-Kompositionen durch Russland – dort waren ihre 1980er-Revival-Auftritte halbwegs beliebt.

2004 versuchte sich C.C. Catch dann in der Pro 7-Show «Comeback – die grosse Chance». Und plötzlich wurde einem Millionenpublikum klar, wie dünn und limitiert Caroline Müllers Stimme aus Rödinghausen live wirklich war: C.C. Catch scheiterte damals in der Show grandios. Entsprechend blieben weitere Erfolge aus. 2012 kündigte CC Catch schliesslich an, ihre musikalische Kariere endgültig zu beenden. Was sie offenbar auch getan hat, denn die Cruiser-Anfrage ans C.C. Catch-Management blieb unbeantwortet.